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Rootmere

Ein stiller, nebliger See im grünen Hochland der Grünfalte, bewacht von einem Hügel, der nicht ganz ein Hügel ist: dem ältesten bekannten Rootwalker.

Man kommt über die bewaldete Anhöhe, und unten liegt der See, lang und still in einer Falte grünen Hochlands, graublau unter dem Nebel. Schilf säumt seine Ränder. Alte Eichen neigen sich so weit hinaus, dass ihre Zweige beinahe das eigene Spiegelbild berühren. Am Ufer stehen flechtengraue Steine im nassen Gras, manche aufrecht, manche schief, manche halb im Rasen versunken, als wären sie vor langer Zeit stehen geblieben und hätten vergessen, wieder loszugehen.

Am nahen Ufer erhebt sich ein Hügel. Er ist so groß wie ein Hügelgrab, gebeugt und grün, dicht bewachsen mit Moos und Farn, und zwischen hohen Steinen wachsen kleine Bäume aus seinem Rücken. Lange Wurzeln hängen von ihm ins seichte Wasser. Wer lange genug hinsieht, ahnt an einem Ende vielleicht ausgeblichene Geweihe zwischen den Zweigen; sehr selten, sagt man, glimmt tief in den Wurzeln etwas Bernsteinfarbenes. An den meisten Tagen bewegt sich nur der Nebel. Am Fuß eines Steins hat jemand eine Schale Brot abgestellt.

Der Ort

Rootmere gehört zu den wenigen Orten der Grünfalte, die überhaupt auf Karten stehen, und doch verrät keine Karte, wie weit er von irgendetwas entfernt liegt. Man findet ihn durch Vorstellung, nicht über Wegweiser: alte Eichen, bemooste Findlinge, Bäche, die in den See hinabrinnen. Man kommt hierher, um alte Versprechen zu halten, um zu begraben und zu erinnern, und manchmal nur, um am Wasser zu sitzen. Niemand erwartet, dass der Wächter erwacht. Jeder weiß, dass er es tun wird, wenn der Ort, den er bewacht, bedroht ist.

Was erzählt wird

Die Haushalte der Grünfalte sagen, ein Rootwalker sei ein Ort, der gelernt hat aufzustehen. Wo Generationen ihre Toten begraben, dieselbe Hecke pflanzen und dieselben Versprechen am selben Stein schwören, sammelt sich das Land langsam, und eines Tages geht es. Der Wächter von Rootmere ist der älteste, den man kennt; keine Familie weiß noch, wann er zuerst stand oder wessen Versprechen ihn zuerst sammelten. Am sichersten zerbricht ein Rootwalker, wenn man den Eid oder das Wahrzeichen bricht, an das er gebunden ist, und welches diesen hier hält, weiß niemand. Darum ist das Halten der alten Versprechen hier nicht nur Frömmigkeit, sondern praktische Fürsorge, und jeder Vermessungspflock am Ufer ist ein Wagnis, das keiner ermessen kann.